BEITRÄGE

Allostatische Ladung

Stress - die Schlaglöcher des Lebens und die Chance durch sie zu wachsen - Teil

In ihrem grundlegenden Paper von 1993 führen die Forscher McEwen und Stellar den Begriff der "allostatischen Ladung" ein. Mit diesem Begriff beleuchten sie die negativen Einflüsse von Stress auf die körperliche und seelische Gesundheit. Das Bahnbrechende an ihrer Forschung ist, dass sie mit dem Konzept der allostatischen Ladung aufzeigten, wie Alltagsstressoren unter die Haut gehen und krank machen können. Bis dato war mehr oder weniger klar, traumatische und einschneidende Erlebnisse wie Krieg, Scheidung, Verlust eines geliebten Menschen usw. können krank machen, wenn Betroffene nicht über die Ressourcen für einen gesunden Umgang und einer nachhaltigen Verarbeitung der Ereignisse verfügen. Was McEwen und Stellar aufzeigten war, dass Alltagstressoren wie z.B. viele Termine, Stau auf dem Weg zur Arbeit, volle Straßenbahnen usw. Krank machen, indem sie fortwährend unsere Stressreaktion aktivieren. Ein bisschen jeden Tag reicht, um die Gesundheit langfristig zu beeinträchtigen. Deshalb wird bei der allostatischen Ladung auch häufig das Bild einer Fahrbahn mit Schlaglöchern verwendet: Über eine neue ebene Fahrbahn fahren jeden Tag zahlreiche Autos. Mit der Zeit entstehen Schlaglöcher. Die Frage ist: Wie halten wir unsere Fahrbahn in Stand und schützen und regenerieren uns von Einflüssen von außen?

 

ALLOSTASE 
Jedes Mal wenn wir in eine Stressreaktion gehen, mobilisiert unser Körper Energie, um mit der Belastung umzugehen. Wir schütten Stresshormone aus, unser Immun- sowie Herz-Kreis-Laufsystem gehen in die Abwehr. Unser Körper passt sich so den Umständen an, um einen Zustand der Stabilität aufrechtzuerhalten. Täte er dies nicht, würde unser System recht schnell aus den Fugen geraten.   Eine wichtige Grundannahme der Allostase: Unser Verstand (Gehirn) ist zentral in der Steuerung dieser Prozesse. Besonders stark reagiert unser System auf soziale Stressoren wie z.B. soziale Bewertung und Ausgrenzung.

ALLOSTATISCHE LADUNG Die Allostase ist grundsätzlich eine adaptive Reaktion. Trotzdem können ständige, wenn auch nur akute Phasen der Allostase, gesundheitsschädigend sein. Denn jeder Stressor führt zu einer körperlichen Reaktion und mit der Zeit entsteht ein Wear-and-Tear (Verschleiß). Obgleich die einzelnen Stressreaktionen gar nicht gravierend sein müssen.

Die Allostatische Ladung hängt letztendlich auch davon ab, wie wir auf Stress reagieren und wie schnell wir uns von diesem erholen. Reagieren wir stark und brauchen lange Zeit, um mental und körperlich aus dieser Stressreaktion zu kommen? Oder können wir uns schnell regenerieren und den Stressor hinter uns lassen?

Die Realität ist, dass Herausforderungen und ja auch Stress zum Leben gehören (das soll jedoch keine Rechtfertigung dafür sein, den Stress in sein oder gar das Leben anderer einzuladen). Die Frage ist, wie kennen wir damit um? Versuchen wir, den Stress und die Herausforderungen des Alltags und Lebens hin wegzuzaubern oder stellen wir uns ihnen und lassen dadurch die Entfaltung und Entwicklung unserer Ressourcen und Fähigkeiten zu? Gerade in der Arbeitswelt sind dies wichtige Fragen. Sind Sie Führungskraft können sie ein Arbeitsklima schaffen, welches die Ressourcen Ihrer Mitarbeiter mobilisiert. 

Stärken Sie z.B. die Autonomie und Mitgestaltungsmöglichkeiten Ihrer Mitarbeiter? Menschen, die das Gefühl haben, Teil des Ganzen zu sein, sind motivierter und übernehmen Eigenverantwortung. Je weniger Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsspielraum, desto höher das Stressrisiko, desto höher die allostatische Ladung.

> Führen Sie regelmäßige ressourcenorientierte Mitarbeitergespräche? Durch Regelmäßigkeit schaffen Sie ein Gefühl der Transparenz und Vorhersehbarkeit. Es entsteht Vertrauen. Mitarbeiter werden resilienter. Wenden Sie die drei E`s an:

>>Empathie: Seien Sie auf Augenhöhe, nehmen Sie die Perspektive Ihres Gegenübers ein. Gehen Sie davon aus, dass jeder Mensch das Bedürfnis danach hat, gesehen zu werden.

>>Entwicklung: Gehen Sie gemeinsam in eine Entwicklung. Besprechen Sie Situationen, die gut liefen. Lernen Sie aus diesen Situation und nutzen Sie sie als ein Wegweiser für die Entwicklung Ihrer Mitarbeiter und Ihrer Zusammenarbeit.

>>Ent-Spannung: Schaffen Sie einen Raum der Entspannung. Halten Sie diesen aufrecht. Dort, wo Menschen das Gefühl haben, authentisch sein zu dürfen, werden Potentiale, Talente und Fähigkeiten sichtbar und darf Vertrauen entstehen. Vertrauen schafft Sicherheit und schützt vor Stress.

Regen Sie Ihre Selbstwahrnehmung und die Ihrer Mitarbeiter und Kollegen an. Bewegen Sie Fragen wie was löst bei mir/Dir Stress aus? Wie reagieren wir auf Stress? gemeinsam. Dieses Thema soll kein Tabu sein. Sie stiften so Bewusstsein und ebnen den Weg für Eigeninitiative und Handlungsmaßnahmen.

Regen Sie Ihre Selbstregulierungsfähigkeit und die Ihrer Mitarbeiter an, indem Sie:

> -über gesunde Reaktionen auf „stressige“ Situationen sprechen und diese auch aktiv ausspielen. Regen Sie die Visualisierung an! Wie genau schauen gesunde Reaktionen aus? Wie fühlen sie sich an?

> -Lust auf das Thema Gesundheit machen:>>Wie kann Gesundheit in meinem Leben aussehen? >>Welche Möglichkeiten ergeben sich aus Herausforderungen, um Gesundheit aktiv zu leben?

Seien Sie aktiver Gestalter Ihrer Gesundheit  statt auf die Veränderung von Außen zu warten!

Dem oben aufgeführten, liegt ein gesunder Körper zugrunde, der unsere Resilienz, Konzentration sowie Leistungs- und sogar Empathie Fähigkeit fördert. Darum nicht vergessen: Schlaf, Bewegung und gesunde Ernährung sind essentiell,  um die allostatische Ladung gering zu halten und einen gesunden Umgang mit Stress zu pflegen.

 

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