BEITRÄGE

BGM als Grundlage für ein nachhaltiges Unternehmen

In den vergangenen Jahren hat das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) in Deutschland an Dynamik und Schwung gewonnen. Das ist auch wichtig. Denn nach wie vor, stellt der Arbeitsplatz für viele Menschen in Deutschland (und anderen Ländern) eine deutliche Belastung dar.  Allein in Deutschland gab es von 2000-2011 eine Verdopplung der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund einer psychischen Erkrankung (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2013).  (Jedoch kann sich die Verdoppelung auch auf die höhere Bereitwilligkeit zurückführen lassen, Angaben zu psychischen Erkrankungen zu machen, da Gesellschaft und Arbeitgeber immer offener und vorurteilsfreier mit diesem Thema umgehen). 

Das Thema BGM ist deshalb so wichtig, weil es den Menschen und seine Gesundheit in den Mittelpunkt der Arbeitswelt stellt. Das Thema Gesundheit darf nun ganz offiziell auf der Agenda eines Unternehmens stehen. Verfolgt man die heutigen Trends, könnte man sogar behaupten, dass es im Mittelpunkt stehen muss. Zum einen ist seit dem 20. September 2013 die Aufrechterhaltung der psychischen Gesundheit von Mitarbeitern fest im Arbeitsschutzgesetz verankert und verpflichtet den Arbeitgeber zu einer Beurteilung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz. Das Präventionsgesetz hingegen unterstützt Arbeitgeber und Arbeitnehmer darin, die Aufrechterhaltung von Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen. So wird dem Arbeitgeber nahegelegt, gesunde Unternehmensstrukturen zur Verfügung zu stellen und dem Arbeitnehmer, diese auch zu nutzen. Des Weiteren haben sich Gesundheit, Vitalität und Lebensqualität, sowie eine dafür notwendige ganzheitliche Gesundheitsvorsorge, als effektive Maßnahmen für die Anwerbung und Anbindung von hochqualifizierten Fachkräften etabliert.

Um Arbeitgebern die Implementierung eines BGM zu erleichtern, sieht der Gesetzgeber bestimmte Maßnahmen vor, die den Weg zu einem gesunden Unternehmen ebnen und einen gesunden Arbeitsalltag gewährleisten.

Sie bestehen aus:

- Einer menschengerechten Arbeitsgestaltung und Organisation (verankert im Arbeitsschutzgesetz),

- Einer im Arbeitsschutzgesetz festgelegten obligatorischen Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Wichtig ist, dass es sich hierbei um eine Erfassung objektiver Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit handelt und nicht, wie manchmal angenommen wird, die subjektive Bewertung dieser Einflussfaktoren umfasst.

- Ein Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement (BEM), um den Wiedereinstieg von Mitarbeiter nach längerer Arbeitsunfähigkeit zu gewährleisten. Auch diese Maßnahme ist obligatorisch für Unternehmen.

Diese drei Maßnahmen sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben. BGM Maßnahmen hingegen sind für den Arbeitgeber lediglich Kür. Betrachtet man jedoch den Zusammenhang von Gesundheit - sowohl körperlicher als auch seelischer - und Fehltagen, versteht es sich für den in die Zukunft denkenden Arbeitgeber von selbst, in nachhaltige BGM Strukturen zu investieren.

Obgleich es an Informationen, Ressourcen und Unterstützung zum Thema BGM nicht fehlt, bleibt dessen Umsetzung eine Herausforderung. Denn Tatsache ist, pauschale Lösungen gibt es nicht. Stattdessen liegt die Kunst des BGMs darin, das Thema Gesundheit in konkrete Strukturen zu verankern und diese Strukturen dann auch zu beleben, z.B. mit konkreten BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) Maßnahmen.  Das Beleben der Strukturen muss ein fortwährender Prozess im Unternehmen sein, da Anforderungen und Bedürfnisse sich ständig ändern und Strukturen und Maßnahmen dementsprechend justiert werden müssen. 

Zwei essentielle Prinzipien in diesem Prozess:

  1. Man kann Menschen zu ihrem Glück nicht zwingen. Ein Arbeitgeber kann noch so attraktive Maßnahmen und Anreize zur Aufrechterhaltung der Gesundheit zur Verfügung stellen. Haben die Mitarbeiter kein Interesse, kann man die Maßnahmen nicht aufdrängen. Klar. Doch genau in solchen Fällen liegen verborgene Schätze und Möglichkeiten. Um diese zu finden, heißt es: am Ball bleiben, in den Dialog gehen und weitermachen!  
  1. Walk the Talk! Ich kann nur das predigen, was ich selbst lebe. Niemand ist perfekt, doch ein Arbeitgeber, der Gesundheit predigt und sich jeden Abend die Kante gibt, gefolgt von cholerischen Wutausbrüchen am nächsten Tag, muss an seinem/ihrem Verhalten genauso arbeiten, wie an den gesunden Strukturen des Unternehmens. Andernfalls sind jegliche Bemühungen eine gesunde Unternehmenskultur zu schaffen, von kurzer Lebensdauer.

Gerade deshalb ist ein objektiver, reflektierter Blick von außen so wertvoll. Dinge, die intern übersehen werden, finden Gehör und produktive Lösungen und Maßnahmen können entsprechend den situativen Bedürfnissen abgeleitet werden.  

 

Quellen:

https://www.bghw.de/arbeitsschuetzer/regelwerk-und-praeventionsmedien-der-bghw/praeventionsmedien-der-bghw/broschueren/b-103-gesunde-mitarbeiter-gesundes-unternehmen/file

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2013): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2011. Unfallverhütungsbericht Arbeit. Dortmund/Berlin/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

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